Rezension #36 {Der Nachtzirkus}

Dieses Buch habe ich beim Frühlingswichteln gewonnen und sofort danach angefangen zu lesen. Es hat länger gedauert als bei den anderen Büchern und ich muss zugeben, es ist ein ganz spezielles Buch.


Der Nachtzirkus


Eckdaten

Autor: Erin Morgenstern

Verlag: Ullstein

Sprache: Deutsch

Erscheinungsdatum: März 2012

Band: 1 von 1

Preis: 9,99 € (Taschenbuch)


Inhaltsangabe

 Der Nachtzirkus kommt und geht, taucht mal hier auf und mal dort, ist nur nachts geöffnet. Wer ihn besucht, kann hinterher kaum in Worte fassen, welche Wunder und unglaublichen Dinge er in den schwarz-weiß gestreiften Zelten gesehen hat. Ein Eisgarten, ein Wunschbaum, ein Tränenteich, flackerndes Feuer, Wahrsager und Schlangenmenschen. Doch wieso existiert der Zirkus? Er ist Schauplatz eines großen Wettstreites, zwischen Celia und Marco. Die beiden sind dazu bestimmt, sich gegenseitig zu besiegen. Doch was passiert, wenn sich Kontrahenten ineinander verlieben?


Cover

Das Cover ist toll gemacht! Der Zirkus in der Geschichte ist in völligem Schwarz-Weiß gehalten, selbst Haut und Haare der Artisten sind schwarz oder weiß. Daher passt das schwarz-weiße Cover ziemlich gut, das Rot ist ein kleiner Hinweis auf die Fans des Zirkus, die reveurs. Das Cover wirkt mystisch und besonders und weckt das Interesse zu lesen.


Ich und das Buch

Ich muss zugeben, ich habe gespaltene Gefühle dem Buch gegenüber. Ich werde versuchen, meine Gründe geordnet darzulegen.

Der Erzählstil erinnert mich stark an Leonie Swanns Bücher (Glennkill, Garou, Dunkelsprung), die distanziert und beobachtend wirken. Swanns Bücher finde ich klasse, hier hat mich die Distanz ein wenig gestört.

Was ich als Autorin und eifrige Leserin ebenfalls wichtig finde, ist die Ausgestaltung von Dialogen. Ich mag es nicht besonders, wenn keine Emotionen beschrieben werden, während gesprochen wird. Dinge, wie „, sagte er und lächelte.“ oder „Er wirkte verblüfft.“ schmücken die Situation des Dialoges aus und machen die Figuren lebendiger. Das hat mir das gesamte Buch über gefehlt, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Die Charaktere sind ebenfalls distanziert beschrieben, auch wenn der Erzähler Einblick in deren Gefühlswelt hat. Man findet in diesem Buch kaum Passagen, in denen einzelne Personen nachdenken, sondern entweder Gespräche oder schon fertig ausgereifte Gedanken. Die Prozesse, wie sie zu den Gedanken kamen, werden kaum beschrieben. Auch wieder Ansichtssache, mir hat die Tiefe ein wenig gefehlt.

Der Zirkus hat mich unheimlich fasziniert. Er ist kein normaler Zirkus, auch wenn ich die auch sehr gern besuche, denn in ihm befinden sich Wunderlichkeiten und Magie, die es eigentlich nicht geben dürfte. Im Wolkenzelt kann man von schwebendem Wattebausch zu Wattebausch hüpfen, die Zeit scheint still zu stehen, es gibt ein Zelt mit Flaschen, die Illusionen erwecken, wenn man sie entkorkt… faszinierende Einfälle hatte Frau Morgenstern da, die mich ein um das andere Mal verblüfften. Ich hatte das Gefühl, mitten im Zirkus zu stehen, und auch jetzt, da ich das Buch beendet habe, hat es für mich eine mystische Aura, wenn ich es betrachte. Das liegt hauptsächlich an der wunderschönen Ausgestaltung des Zirkus, der wirklich faszinierend ist. Ich würde gern einen solchen Zirkus besuchen, natürlich wünsche ich trotzdem keinem, ihn durch diese Umstände zu erschaffen, wie es im Buch der Fall ist.

Wie auch bei Swanns Geschichten ergeben beiläufig erwähnte Dinge erst nach und nach einen Sinn, die Geschichte ist wenig geradlinig, eher verschlungen. Das steigert einerseits die Mystik des Zirkus, war andererseits auch ermüdend zu lesen. Immer wieder kommen Kapitel dazwischen, die fünf oder mehr Jahre in der Zukunft spielen, man muss genauestens auf die Jahreszahlen am Anfang eines jeden Kapitels achten, um den Überblick zu behalten. Das war manchmal nicht so leicht.

Zu guter Letzt habe ich sehr lange auf die versprochene Liebesgeschichte zwischen Celia und Marco gewartet. Sie ist für den Verlauf der Geschichte unheimlich wichtig und ich habe mich Kapitel für Kapitel gefragt, wann sie denn endlich beginnt. Nach über der Hälfte des Buches erst sehen Celia und Marco sich das erste Mal als Kontrahenten, eine ziemlich lange Zeit, wie ich finde. Die Liebesgeschichte an sich ist auch eher unemotional und distanziert wie das ganze Buch und kaum im Fokus der Erzählung, selbst als sie schon da ist. Daher finde ich den Klappentext ein wenig unpassend, denn ihre Liebe ist zwar ausschlaggebend, doch die Geschichte selbst hat ihren Fokus eher auf dem Zirkus als auf dem Liebespaar.


Schlussplädoyer

Der Nachtzirkus ist im Stil von Leonie Swann (Glennkill, Garou, Dunkelsprung) geschrieben und bewirkt beim Lesen eine Aura aus Mystik. Die Distanz zu den Figuren und Geschehnissen ist eine besondere Art der Erzählung, die nicht jedem liegt, aber durchaus faszinierend sein kann. Die Geschichte fließt dahin, hat keine Steigerungen oder Täler, aber auch das passt zur mysteriösen Aura dieser Geschichte. Wer eine richtige Liebesgeschichte möchte, sucht vergeblich, denn der Fokus dieses Buches liegt eher auf den herausragend gut durchdachten und fantastischen Wundern, die man im Zirkus erleben kann, als sei man dabei gewesen.

Liebe Grüßen und Hakuna Matata

Isabella

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2 Gedanken zu „Rezension #36 {Der Nachtzirkus}

    • Das stimmt, diese Art zu schreiben ist schön zu lesen und gerade der Zirkus ist einfach toll. Ich hatte nur etwas vollkommen anderes erwartet und bin momentan eher an Jugendbücher gewöhnt, weshalb das für mich eine ziemliche Umstellung war 😀 aber geschrieben ist es richtig gut, diesen Schreibstil beherrscht nicht jeder.

      Gefällt 1 Person

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