Rezension #62 {Unsterblich}

Vermutlich ist es kaum jemandem aufgefallen, dass ich die letzten 12 Tage nichts geschrieben habe. Das ist nicht schlimm, schließlich geht es mir genauso, wenn ich bei einem von euren Blogs plötzlich lese „Zurück aus der Funkstille“ und ich mir denke: „Ooookay, die/der war weg?!“. Warum meine Funkstille existierte, kann ich nicht erklären, es war wohl eine Mischung aus Urlaub, Hund, anderen Beschäftigungen, der Tatsache, dass 3 Tage WordPress nicht funktioniert hat und einfach dem Nichtvorhandensein von jeglicher Motivation, meinen Laptop in die Hand zu nehmen. Jetzt aber bin ich zurück – und zwar mit einem ganz besonderen Buch, dessen Genre ich normalerweise nicht lese, mich aber positiv überrascht hat. Also verratet mir: Was wärt ihr bereit zu tun, um den Tod überwinden zu können?


Unsterblich

Unsterblich von Jens Lubbadeh

Unsterblich von Jens Lubbadeh


Eckdaten

Autor: Jens Lubbadeh

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

Erscheinungsdatum: Juli 2016

Band: 1 von 1

Preis: 14,99 [Taschenbuch]


Inhaltsangabe

Es ist ein paar Jahre in der Zukunft – und die Zukunft ist schon zur Realität geworden: Mithilfe von im Kopf implantierter Chips wird den Menschen eine virtuelle Realität vermittelt, zusammengesetzt aus der echten Realität und dem, was hunderte von Prozessoren und Mikrokameras auf der ganzen Welt zusammenrechnen. Deshalb gibt es auch sogenannte Ewige, denn in einer virtuellen reellen Realität ist es möglich, Verstorbene virtuell auferstehen und am echten Leben teilhaben zu lassen. So auch bei Marlene Dietrich, Benjamin Karis bester Kreation, der für die Authentifizierung von Ewigen zuständig ist. Doch dann passiert das scheinbar Unmögliche: Marlene Dietrichs Ewiger verschwindet – aber Ewige verschwinden nicht! Für Kari beginnt ein Ermittlungsspiel im Zentrum des Sturms um die Frage, ob man Tote tot sein lassen sollte oder doch ewig…


Cover

Ich finde das Cover richtig cool gemacht. Die Streifen erinnern mich irgendwie an Matrix, die ja auch eine virtuelle Realität darstellt und der Kopf ist ja ganz eindeutig Marlene Dietrich. Auf dem Taschenbuch sieht man das, was hier als Gelb rüberkommt, noch als Goldprägung, was das ganze Buch irgendwie edel macht. So, wie Marlene Dietrich eben war.


Ich und das Buch

Normalerweise lese ich eigentlich kein Sci-Fi bzw. auch keine Thriller. Doch als ich das Buch bei Bloggerportal gesehen habe, musste ich mich dafür bewerben. Das Cover war so einzigartig und interessant, dass es mein Interesse geweckt hat. Danke im Übrigen an Heyne bzw. Randomhouse für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 🙂

Die Idee einer quasi zweigeschichteten Realität, bestehend aus dem, was man anfassen kann, und dem, was ein Computer-Hirn-Chip einem vorgaukelt, ist sehr interessant. In der heutigen Zeit wäre das natürlich unvorstellbar, denn die ganzen Minidrohnen, die die gesamte Welt in eine Spielekonsole verwandeln, würden jeden Datenschützer zum Platzen bringen. Doch irgendwann geht auch diese Ära zu Ende und wieso sollte eine solche Zukunft nicht möglich sein? Ich halte es für durchaus plausibel, wenn auch gruselig. Irgendwie ist es doch seltsam, den Tod überwunden zu haben, wenn auch virtuell. Doch wenn meine Oma virtuell wieder am Leben wäre, mit all ihrem in ihrem echten Leben angeeigneten Eigenschaften, ist sie dann noch tot? Umarmen kann ich sie nicht, weiterentwickeln wird sie sich auch nicht, vielleicht hat man sie zurückgeholt mit dem Gesicht von ihr als Vierzigjährige, nicht als Zweiundneunzigjährige… Ist sie dann noch sie selbst? Würde ich das für mich wollen? Oder für meinen Verlobten?

Ihr merkt, man beginnt sich Gedanken zu machen, was man selbst in einer solchen Realität tun würde. Wäre man glücklich? Oder frustriert, dass man mit dem Ewigen immer dieselben Konversationen führen wird und quasi nie verarbeiten kann, dass jemand gestorben ist. Ist das nicht irgendwie krank, dass der Tod nicht mehr Angst macht? Das Buch ist vielschichtig, zeigt immer mehr Facetten dieser möglichen Zukunft auf, einige weniger gut. Denn wenn JFK Präsident der USA ist und doch ein Ewiger, erstellt von einem einzigen Weltkonzern, dann hinterlässt das doch den Beigeschmack, dass dieser Konzern in die Weltpolitik eingreifen könnte, oder? Wer würde denn schon einen Ewigen programmieren, der so viel Macht hat, und ihm dann erlauben, gegen den eigenen Konzern vorzugehen? Bekommt ja keiner mit, wenn JFK leicht umgepolt wird, sodass er den Konzern ganz toll findet…

Die Geschichte ist ganz eindeutig auf Erwachsene ausgelegt. Der Erzählstil ist eigentlich fast immer aus Karis Sicht, der einzigartige Einsichten in die Funktionsweise von Ewigen hat, denn er authentifiziert sie ja. An einigen Stellen philosophiert der Autor über diese mögliche Zukunft und wirft Fragen auf, die sich der Leser schon die ganze Zeit stellt. Ich selbst habe zum Verarbeiten meinen Verlobten herangezogen und angeregte Gespräche mit ihm geführt, bis mir der Schädel gebrummt hat.

Anfang ist Kari noch ein getreuer Lakai seiner Firma, einer Unterfirma von Immortal, besagtem Weltkonzern. Langsam aber sicher deckt er jedoch Geheimnisse auf, die Immortal nicht so gut dastehen lassen. Und bildet sich Meinungen, die Immortal nicht so gut gefallen. Zusammen mit einer Reporterin ermittelt er dann auf eigene Faust und wendet sich immer mehr von seinem Anfangs-Ich ab. Kari war mir sehr sympathisch, denn auch ich bin erst einmal loyal eingestellt und beginne erst langsam, meine eigene Meinung zu bilden.

Die Geschichte beginnt langsam, schließlich muss man erst in die neue Welt eingeführt werden. Gegen Ende nimmt sie allerdings deutlich an Fahrt auf, sodass ich das Buch kaum weglegen konnte. Das Ende ist für meinen Geschmack nicht so dolle, aber irgendwie typisch für dieses Genre. Dass mich ein Buch aus einem anderen Genre dermaßen fesseln konnte, war natürlich super – doch eher das gesamte Setting, die Idee dahinter, nicht die Geschichte, macht dieses Buch für mich so einzigartig. Denn es hat mich zum Nachdenken gebracht, und zwar nicht nur stundenlang, sondern tagelang, nächtelang.


Schlussplädoyer

Unsterblich wirft Fragen auf, die ich mir bisher noch nicht gestellt habe. Fragen über den Tod und wie weit die Menschheit oder ich bereit wäre zu gehen, um ihn zu überwinden. Eine Antwort habe ich nicht darauf gefunden, allerdings stimme ich dem Hauptcharakter Kari eher zu als dem Weltkonzern Immortal. Spannend und interessant ist das Buch auf jeden Fall und im Gegensatz zu den meisten anderen Büchern in meinem Regal ist es kein Jugend- oder Fantasybuch. Trotzdem konnte es mich fesseln und begeistern … und nachdenklich werden lassen.

Liebe Grüße und Hakuna Matata

Isabella

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4 Gedanken zu „Rezension #62 {Unsterblich}

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